2025-04-03




















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Der Nationalpark Retezat
(2007-10-04)
Zuletzt geändert: 2007-10-04 14:43 EET




Der Nationalpark Retezat befindet sich inmitten des gleichnamigen Gebirgsmassivs. Dieses gehört zu den süd-westlich gelegenen Mittleren Karpaten Rumäniens. Die Retezat-Region ist vor allem wegen der zahlreichen Gletscherseen bekannt. Hier gibt es ungefähr 100 Seen, darunter 40 große und mittelgroße Seen. Ferner befinden sich in der Region 18 kleine Seen, die einen ständigen Charakter haben und 40 winzige Seen, die im Sommer austrocknen.

Aus historisch-geographischer Sicht liegt der Nationalpark im Hateg-Land, das als Wiege des rumänischen Volkes und der rumänischen Sprache gilt. In Densuş, Săntămăria Orlea und Strei können die ältesten christlich-orthodoxen Kirchen in Rumänien besichtigt werden die in den Jahrhunderten 13-14 entstanden.



Der Nationalpark Retezat besteht aus mehreren Bereichen. Die strengsten Schutzvorschriften gelten für das wissenschaftliche Naturreservat Gemenele Tăul Negru. Hier dürfen nur Wissenschaftler mit einer Genehmigung der Rumänischen Akademie zu Forschungszwecken hinein. Die biologische Vielfalt des Gebietes ist beeindruckend, sagte uns Cosmin Manci Biologe im Nationalpark Retezat: „Beginnen wir mit den einzelnen Bereichen. In den Buchenwäldern lebt eine der schönsten europäischen Käferarten – der Alpenbock. Es sind sehr schöne blau-graue Exemplare mit schwarzen Flecken. Der Buchenwald ist auch Lebensraum für den Habichtskauz. Dieser nistet vor allem in Baumhöhlen und -stümpfen. Dann folgen die Mischwälder, die aus Buchen und Nadelbäumen bestehen, in den meisten Fällen sind es Tannen, manchmal auch Fichten. Das ist die natürliche Umgebung des Weißrückenspechts, eine sehr seltene Art in Rumänien und auch in Europa. Überhaupt leben in den Mischwäldern sehr viele Vogelarten, beginnend mit dem Auerhuhn, bis hin zu den vielen Raubvogelarten, wie etwa der Schreiadler, der Sperlingskauz oder der Raufußkauz. Die alpine Region ist in zwei geteilt. Einerseits ist dort die letzte Ebene der gemischten Nadelwälder, die aus Gemeinen Fichten und Zirbelkiefern bestehen. Dann tritt ab hier auch die Bergkiefer auf. Am Anfang ist diese Etage recht homogen, später ist die Bergkiefer nahezu dominant. An Stellen mit offenen Grasflecken wächst auch die Alpenrose. Noch etwas höher ist die Etage der Weiden. An einigen Stellen sind auschließlich Felslandschaften zu bewundern. Eine der seltensten Pflanzenarten hier ist das sogenannte Hungerblümchen. Zudem finden wir hier viele Enzian- und Glockenblumenarten. Im kleinen Retezat, das aus Kalkstein besteht, ist das Artenreichtum sogar noch höher. Die interessantesten Arten sind das Edelweiß , das Schwarze Kohlröschen und viele weitere Orchideenarten.”

Erwähnenswert unter den Säugetieren sind vor allem zwei Fledermausarten: die Hufeisennasen und die Zwergfledermäuse. Auch die großen Pflanzenfresser sind hier vertreten, die Gämse und der Rothirsch.



Der Nationalpark Retezat wurde 1935 durch einen Beschluss des Ministerrates gegründet. Nach der Wende zählte er, neben dem Nationalpark Königsstein und dem Naturpark Vânători Neamţ, zu den ersten Naturschutzgebieten in Rumänien mit einer modernen Verwaltung. Die Grundlage waren Managementpläne zur Erhaltung der biologischen Vielfalt. Die Finanzierung stammte vor allem von der Global Environmental Facility und der Weltbank. Die Aktivitäten des Parks werden von einem wissenschaftlichen Rat und einer Beratungsstelle geleitet. Die Verwaltung des Nationalparks Retezat setzt dann die Entscheidungen der Führungsetage und die Vorschriften der Managementpläne um. Die Parkverwaltung ist eine Untereinheit des Forstbezirks Deva und obliegt damit der Nationalen Forstverwaltung ROMSILVA. Chefverwalter des Parks Alin Alimpesc über die problematische Tätigkeit der Verantwortlichen: „ Die Hauptprobleme sind eigentlich überall dieselben. Unerzogene Touristen hinterlassen ihre Abfälle, trotz den Warnschildern, die überall aufgestellt sind. Noch gibt es Fälle von Müllverschmutzung, von illegalem Blumenpflücken und im schlimmsten Fall sogar illegales Fischen oder sogar Wilderei. Aber es sind vereinzelte Fälle, in letzter Zeit ist so etwas nicht mehr passiert. Ein weiteres Problem, mit dem wir uns konfrontiert haben, war das illegale Weiden. In den letzten Jahren hat man die maximale Aufnahmekapazität der Weiden im Nationalpark Retezat nicht respektiert. Außerdem hat die Bergpolizei mehrere Personen wegen schwerwiegender Abholzung von Bergkiefern mit Bußgeldern belegt. Noch werden Bergkiefern gefällt, die Schafshüter zünden damit ihre Feuer an, oder bauen sich aus dem Holz irgendwelche Unterkünfte„



Um solche Vorkommnisse zu vermeiden, pflegen die Verantwortlichen permanent den Kontakt zu den Einheimischen und der Lokalverwaltung, die auch in der Beratungsstelle vertreten ist. Dennoch ist es relativ schwer, die Grundbesitzer davon zu überzeugen, dass sie mit den Grundstücken, die sich im Parkgebiet befinden, nicht tun und lassen können, was sie wollen. Erst recht dann nicht, wenn sie für die Einschränkungen keine Ausgleichssumen erhalten.



Andererseits gibt es viele Projekte und Programme für die Umwelterziehung der Kinder und Jugendlichen. Sie sollen verstehen, wie man die Natur und die biologische Vielfalt schützt: “ZU unserer Freude haben wir sehr viele pädagogische Aktivitäten. Eine davon sind die Junior Rangers-Camps. Wir hatte auch schon Mal zwei solche Camps, einmal im Sommer und einmal im Winter. Nachdem die Parkverwaltung diese Ferienlager organisiert hat, gab es schon Anfragen von Schulen aus der Kreishauptstadt Deva, die für so etwas selber bezahlen wollten. Die Verwaltung soll sich lediglich mit organisatorischen Fragen befassen und den Kinder eine ökologische Erziehung anzubieten. Sie sollen lernen, was es heißt ein Ranger zu sein.” erzählt Chefverwalter Alin Alimpesc. Eine weitere Neuigkeit war die sogenannte Parkkarawane, die von der Parkverwaltung organisiert wurde. Das Motto der Karavanne lautete “wenn du nicht ins Gebirge kommst, kommt das Gebirge zu dir”. Ziel der Veranstaltung war es, den Park und seine Schönheiten zu präsentieren und praktisch die Menschen für einen Besuch des Parks zu begeistern. Sicherlich unter der Voraussetzung, dass die Vorschriften die im Falle eines Naturschutzgebiets gelten, eingehalten werden.



Und zum Schluss noch zwei Informationen mit auf den Weg. Ab 2004 gehört der Nationalpark Retezat zur Elite der europäischen Naturschutzgebiete, dem sogenannten Netzwerk Pan Parks. Dieses umfasst einige der interessantesten öko-touristischen Ziele Europas. Der Nationalpark Retezat ist zudem einfach zu erreichen, sowohl mit dem Auto, als auch mit dem Zug. Eine gute Möglichkeit ist sich am Bukarester Flughafen Henri Coanda ein Geländewagen zu mieten. Bis zum Park sind es nur noch 5-6 Fahrstunden.



 
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