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Der Naturpark Vânători-Neamţ |
(2008-03-28) |
Zuletzt geändert: 2008-04-15 13:25 EET |
In der Region Neamt, im Nordwesten der rumänischen Moldau, befindet sich ein besonders interessanter Naturpark, der sich auf etwa 30.000 Ha erstreckt – der Naturpark Vanatori-Neamţ. Der Leiter der Parkverwaltung, Sebastian Cătănoiu, gibt uns Details über die Geschichte dieser Gegend:
„Ab 1475 wurde die Zone Vânători-Neamţ zum Jagdrevier der moldawischen Fürsten, beginnend mit Stefan dem Großen. Wie der Name auch zeigt (vânător bedeutet Jäger) lebten im Dorf Vânători vor allem freie Bauer, deren Hauptbeschäftigung die Jagd war – sie versorgten den Fürstenhof mit frischem Wildbret. Daher hat unser Park tiefe historische Wurzel. Später lieferten die hier befindenden Klöster und Kultureinrichtungen auch die notwendige kulturelle Basis zur Gründung des Naturparks.“
Mehr als 50% des Forstbestandes im Naturpark Vânători-Neamţ besteht aus über 100 Jahre alten Bäumen und Büschen, die stellenweise auch 200 Jahre alt sind. Weitere 30% der Bäume sind Tannen – zum Vergleich erinnern wir daran, dass nur etwa 5% des gesamten Forstbestandes in Rumänien aus Tannen bestehen. Das waren die Argumente, die 1999 zur Gründung des Naturparks Vânători-Neamţ führten. Zusammen mit den Nationalparks Retezat und Piatra Craiului wurde auch der Naturpark Vânători-Neamători-Neamţ durch den Weltumweltfonds der Weltbank finanziell unterstützt. Durch dieses Projekt, das bis 2006 lief, wurden die Verwaltungen der drei Parks in einer ersten Etappe eingerichtet, und mit den notwendigen modernen Managementausstattungen versehen.
Ein Zentralprojekt der Verwaltung des Naturparks Vânători-Neamţ betrifft die Erhaltung der Wisente. Der Wisent oder Europäische Bison (Bison bonasus) ist eine europäische Art der Rinder, die heute in weiten Teilen ihres einstigen Verbreitungsgebiets ausgestorben ist. Er ist dem Amerikanischen Bison ähnlich und mit diesem uneingeschränkt kreuzbar; die beiden werden daher manchmal als eine Art betrachtet. Der Wisent ist seit der Ausrottung des Auerochsen Europas schwerstes und größtes Landsäugetier und zudem der letzte Vertreter der Wildrindarten des europäischen Kontinents. Er hat eine Kopfrumpflänge von 330 cm, eine Schulterhöhe bis zu 2 m und ein Gewicht bis zu einer Tonne. Die ursprüngliche Verbreitung reichte von Spanien über Mitteleuropa bis ins westliche Sibirien und umfasste auch England und das südliche Skandinavien. In diesem großen Verbreitungsgebiet bewohnte der Wisent sowohl offene Wälder als auch offenes Land. Erst durch menschliche Verfolgung ist er zu einem Tier dichter Wälder geworden. Der letzte freilebende Wisent wurde 1921 in Polen gewildert 2006 lebten wieder 31 ausgewilderte Populationen in Freiheit: neun in der Ukraine, acht in Russland, sieben in Weißrussland, fünf in Polen, eine in Litauen, und eine in der Slowakei. Auch in Rumänien versuchen die Fachleute eine Auswilderung des Wisents im Naturpark Vânători-Neamţ, in den Wäldern wo einst riesige Wisenten-Herden lebten. Die traditionellen Schnitzereien und Verzierungen der Häuser und Klöster der Region enthalten immer noch das Bild dieses stolzen Tieres, das auch auf dem Wappen der Region Moldau dargestellt ist. Dazu der Leiter des Naturparks, Sebastian Cătănoiu:
“In unserer Gegend war der Wisent ausgestorben, aber in den Herzen der Menschen und in der Symbolik war er immer präsent. Das war auch der Grund, warum 1968 die ersten Wisent-Exemplare hierher gebracht wurden. So ist das Dragoş-Vodă-Naturreservat für Wisente und andere karpatischen Tierarten entstanden. Beginnend mit diesem Naturreservat beobachtete man das Leben der Wisente unter Geghege-Bedingungen. Ein Hauptziel unseres Managementsplans für den Naturpark Vânători-Neamţ ist die Auswilderung der Wisente, so dass sie wieder frei leben können. 2004 haben wir mit 4 Exemplaren angefangen – heute haben wir 24 Wisente. 6 Exemplare leben zur Zeit in unserem zoologischen Garten, der allen EU-Normen entspricht. Das ist die einfachste Möglichkeit, Wisente zu sehen. Unser Zoo ist für das breite Publikum geöffnet, und hat somit großen Erziehungswert. Die anderen 18 Wisente leben zur Zeit in einem Freigehege, dem größten Freigehege in Europa, und werden nach und nach ausgewildert. Die Anpassung zum freien Leben ist fast abgeschlossen, denn es wurden bereits die ersten Kälber geboren, die von jetztg an als wilde Wisente leben werden. Unser Naturreservat ist noch mit einem Zaun versehen, aber es erstreckt sich auf 180 Ha, die Pflanzenarten sind sehr vielfältig, und die Wisente erhalten nur im Winter zusätzliches Futter. Im Sommer greifen wir nicht mehr ein, die Tiere leben frei und suchen sich selbst die Weideplätze. Sie sind im besten Gesundheitszustand, sie benutzen die gesamte Fläche, und bald werden diese 18 Wisente auch ganz freigelassen.“
Bald wird die Gegend zum sog. Wisentland – diese Bezeichnung benutzen die Umweltvereine der Schulen in der Region sehr gern benutzt. Die Schüler beteiligen sich mit viel Interesse an allen Aktivitäten und Projekten des Naturparks. Letztes Jahr gewann ein Schülerteam aus dieser Gegend die nationale und die internationale Etappe eines Umweltwettbewerbs mit dem Titel „Gemeinsam für die Natur“, der vom öffentlich-rechtlichen Rumänischen Fernsehen organisiert worden war.
Neben dem Wisent ist aber die Biodiversität in der Region auch bemerkenswert. Im Naturpark wurden mehrere Naturreservate eingerichtet – zwei tragen Namen aus dem poetischen Werk des rumänischen Nationaldichters Mihai Eminescu – und zwar „der Kupferwald“ und „der Silberhain“. Dort leben hunderte von Tier- und Pflanzenarten, die meisten von ihnen spezifisch für diese Gegend, oder geschützt. Dazu der Ingenieur Ştefan Nemţeanu, von der Parkverwaltung:
“In den zwei Naturreservaten wurden mindestens 450 Pflanzenarten identifiziert – etwa 350 Arten im „Kupferwald“ und etwa 150 Arten im „Silberhain“. Ferner haben wir das Eichenreservat Dumbrava, mit ungefähr 210 Pflanzenarten. Dumbrava ist das wissenschaftliche Naturreservat der Rumänischen Akademie, denn hier befinden sich Eichen, die bis in einer Höhe von 450 Metern gedeihen, also ganz in der Nähe der Hochgebirgszone. Was die Tierarten betrifft, so kann man hier fast alle großen Säugetiere der Karpaten finden: Braunbären, Wildschweine, Wölfe, Luchse, mehrere Arten von Hirschen, Wildkatzen, usw.“
Um alle Ziele des Naturparks zu erfüllen muß man aber auch mit den Ortsansässigen und mit den Kommunalbehörden gut zusammenarbeiten. Ein Naturpark stellt weniger Bedingungen und fordert weniger Einschränkungen als eine Nationalpark, und daher gab es auch weniger Widerstand seitens der Kommunalbehörden der Gegend. Am Mikrofon ist nun Lucian Cozma – er ist im Rahmen der Verwaltung des Naturparks Vânători Neamţ für Investitionen, Beschaffungen und Beziehungen zu den Lokalgemeinden zuständig:
“Die Existenz des Natrurparks ermuntert die Einwohner, die Traditionen
aufrecht zu erhalten und in traditionelle Beschäftigungen zu investieren. Die Bürger sehen diese geschützte Naturgegend mit guten Augen, umso mehr, dass wir mit dem Programm zur Rettung der Wisente auch etwas Neues vorgeschlagen haben. Das ist ein wichtiges Thema für die Einwohner der Gegend. Die Leute wissen, dass der Wisent seit eh und je in dieser Regieon gelebt hat, und sind sehr stolz darauf, das nun dieses uralte Symbol der Moldau-Region wieder ins Leben gerufen wurde.”
Die Bürgermeisterin der Gemeinde Vânători-Neamţ, Maria Adrian Petrariu, hat uns bestätigt, dass die Einwohner der Region den Zielsetzungen des Naturparks viel Verständnis entgegenbringen:
“Der Naturpark bringt viele Vorteile mit sich. Einerseits werden durch die Partnerschaftesprogramme mit dem Kommunalrat der Gemeinde Vânători-Neamţ die spezifischen Fauna und Flora der Gegend geschützt. Das ist von Vorteil für alle Mitglieder unserer Gemeinde, weil die gesamte Region unter Naturschutz stehen wird, und es werden auch viele Projekte im Bereich Umweltschutz organisiert. Die Leitung des Naturparks reagiert auf unsere Ideen und Vorschläge, und umgekehrt sind wir auch für die Anregungen der Parkleitung offen.”(
Genauso wichtig wie die Aufbewahrung der Naturlandschaft sind auch die kulturell-religiösen Denkmäler der Region, die jedes Jahr Millionen Touristen und Pilger aus Rumänien und aus dem Ausland in diese traditionsreiche Region bringen. Die zahlreichen wunderschönen Klöster wie z. B. Neamţ, Agapia, Văratec, Secu, oder Sihăstria sind seit hunderten von Jahren Meilensteine der Orthodoxie in Rumänien.
(Rum.: Florin Orban; Dt.: Daniela Cirjan)
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